EINMETERFÜNFZIG!!!

Falls Sie bei diesen sommerlichen Temperaturen beobachtet haben sollte, wie eine Radfahrerin auf einem außergewöhnlich gutaussehenden Fahrrad Autofahrenden ins offene Fenster „EINMETERFÜNFZIG!!!“ brüllt: Das war ich. Ich brülle das auch bei winterlichen Temperaturen, im Sommer allerdings mit viel, viel mehr Emphase – denn bei offenen Fenstern können mich die Chauffierenden ja sogar hören.

Manche Passanten lächeln dann wehmütig-verständig: Ebenfalls Fahrradfahrer, eindeutig, auch fußgehend sofort zu erkennen. Alle anderen schauen fragend und/oder peinlich berührt (wenn ich auf Krawall gebürstet bin, liebe ich peinliche Berührtheit. Mir selbst ist dann bestenfalls hinterher was peinlich, aber selbst dann nur wenig).

„Was könnte die wütende Frau nur gemeint haben?! Ihre Körpergröße? Interessiert mich eigentlich gar nicht. Wirkte aber eher größer … Naja, das nächste Mal fahre ich einfach noch dichter an ihr vorbei und frage sie!“ Und da haben wir’s (Sie, liebe Leser und Leserinnen, mit Ihrer geistigen Alertheit, wussten natürlich längst, wo der Hase läuft – viel zu dicht an mir vorbei nämlich!).

Und jetzt lernen Sie einen weiteres Mitglied des Ensembles „Toutde5uite – wir wirken wie eine, sind aber viele – harrharr“ kennen: Den kleinen Polizisten. Sehr unsympatisch, darf deshalb auch nicht so oft raus. Deshalb kriegt er den Mund nicht mehr zu, wenn er’s mal schafft:

EINMETERFÜNFZIG ist der Mindestabstand (verzeihen Sie die vielen Großbuchstaben, hab mich schon heiser geschrieben …). Zwei sind besser. Und obligatorisch, wenn ein Kind (im Anhänger oder auf dem Fahrrad) dabei ist. In jedem Fall ab Außenkante (also ggf. Lenkerende, falls das die breiteste Stelle ist). Falls Überholen mit diesem Abstand aus irgendeinem Grund (Gegenverkehr, Gesamtstraßenbreite, ja sogar fehlendes Augenmaß oder was auch immer) nicht möglich ist, hat es zu unterbleiben. Und nun zitier ich mal, um ganz exakt zu bleiben:
Ein Überholer verstößt schon dann gegen die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung, wenn er den Eingeholten erschreckt und damit zu einer Fehlreaktion veranlasst. Fühlt sich der Radfahrer bedroht oder wird er unsicher, ist der Abstand zu gering!
So urteilte der Bundesgerichtshof schon 1967 (BGH, Verkehrsmitteilungen 1967, 9).
Zuwiderhandlungen werden – auch wenn niemand verletzt wurde – als Nötigung oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr verfolgt.

Sprich: Wenn ich ins Autofenster gurgle (und das tue ich nur dann, wenn es mir bedrohlich wird), hat der/die Autorfahrende schon genötigt oder gefährlich in den Straßenverkehr eingegriffen. Und „Ich hab n guten Anwalt!!!“ gurgle ich nur deshalb nicht hinterher, weil das zu lange dauert … So, jetzt ist meine interne Security (harrharr, die beiden vierschrötigen Mentalbewohner stelle ich Ihnen das nächste Mal vor …) dem kleinen Polizisten habhaft geworden und zerrt das zeternde Persönchen wieder in die Tiefen meiner Persönlichkeit. Aber er schafft’s bestimmt mal wieder ans Tageslicht … Harrharr!

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5 Gedanken zu „EINMETERFÜNFZIG!!!

  1. sushey sagt:

    Ein Freund von mir (und passionierter Radfahrer) schlug vor, doch einfach in einem solchen Fall die Hintertür aufzureißen (so denn möglich) – da hat der Autofahrer auf jeden Fall auch was von… meine Idee ist es, Klebezettel so vorzubereiten und an den eigenen Klamotten so zu befestigen, dass man obigen Gesetzestext direkt ans betreffende Auto batschen kann.

    • toutde5uite sagt:

      Die Idee mit den Klebezetteln finde ich sehr hübsch! Schade, dass ich nicht vorhin schon welche hatte – sie hätten sich auf dem Revers des Cabrio-Beifahrers sicher sehr adrett gemacht und mühelos drangekommen wäre ich auch …

  2. Quirinus sagt:

    Ich nutze die oftmals auch an der Beifahrerseite leicht geöffnete Fenster wenn ich mich am Autostau vor der Ampel vorbeiquetsche. Manche meinen gelernt zu haben, dass sie sich mit dem Auto an die Bordsteinkante aufstellen müssen, obwohl links noch 2 Mtr. Platz ist. Ich rufe dann Sachen wie: „Bitte etwas Platz lassen!“ und schramme an den Außenspiegeln vorbei…

  3. […] meine CDs zu digitalisiseren. Während ich sie (natürlich!) alphabetisch sortiert aufbewahre (der kleine Polizist würde sonst Amok laufen …), gehe ich dabei völlig unsystematisch vor: … erstmal alle […]

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