Ghost Bikes

Bei Stadtkind FFM sind mir die Ghost Bikes untergekommen – Fahrräder, die weiß gestrichen da aufgestellt werden, wo ein/e Radfahrer/in ums Leben gekommen ist.

In meiner Stadt stehen Ghost Bikes an zwei Stellen – allerdings nur in meinem Kopf. Mit Sicherheit sind in den letzten Jahren viel, viel mehr Radfahrer hier ums Leben gekommen – aber diese Unglücke haben sich direkt auf meinen täglichen Wegen ereignet, das prägt sich doch mehr ein. Ich kannte die Opfer nicht persönlich, kenne aber den Unfallhergang aus der Zeitung und – bei dem Unglücksfall, der noch nicht so lange her ist –  bin ich jeden Tag an den Blumen und Briefen an der Unglücksstelle vorbeigefahren. Ein junger Mann. Und wenn ich die ganze Zeit von „Unglück“ schreibe, dann deshalb, weil es so unglücklich & traurig ist. Der Unfallhergang ist nämlich kein „Unglück“ gewesen, sondern – Unachtsamkeit des Autofahrers, der da in die Einfahrt eines Baumarkts einbog, über den Radweg, auf dem der junge Mann vorschriftsmäßig fuhr.

Das andere Ghost Bike ist in meinem Kopf an einer Strecke plaziert, die ich unglaublich ungern fahre: Über einen knappen Kilometer fährt man zwischen parkenden Autos und Straßenbahnschienen. Man kann die Dooring-Zone nicht verlassen. Und da es eine super belebte Geschäftsstraße ist, klappen hier die Autotüren, dass es einem schwindelig werden kann. Und so ist’s damals passiert. Ein Autofahrer reißt die Tür auf, die Radfahrerin möchte ausweichen, kommt mit dem Reifen in die Schiene und stürzt so schwer, dass sie es nicht überlebt.

Vor ein paar Tagen fahre ich wieder diese Strecke (muss da  ziemlich oft lang), es ist Abend, ein Autofahrer steht zum Einsteigen dicht vor seinem Auto und schwingt die breite Tür seiner großen Karre genau dann komplett auf, als ich wenige Meter hinter ihm bin. Das war nun dadurch, dass er vor dem Auto stand und nicht drinne saß, absehbar,  aber eine Vollbremsung mit meinen nach wie vor irre quietschenden Scheibenbremsen ist doch imposant. Und weil mein Herz voller Frieden war an jenem Abend, säuselte ich (wirklich!): „Genauso können Sie einen Radfahrer umbringen.“ Und ehrlich: Bei den vielen blöden Situationen, die ich hier schon erlebt habe, von denen die meisten wesentlich brenzliger (für mich) waren – es war das erste Mal, dass ich für einen solchen Kommentar nicht angepöbelt wurde. Der Mann hat mich nur ganz betroffen angesehen. Das war eine ganz neue Erfahrung.

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